Carl Albrecht
Carl Albrecht

Dr. Carl Edward Archibald Albrecht

1975 wurde ich als Bauernsohn geboren und verbrachte den Großteil meiner Kindheit auf dem elterlichen Milchviehbetrieb.

Vor einigen Jahren habe ich auf einem landwirtschaftlichen Betrieb gearbeitet, auf dem ein Konflikt bereits weit gediehen war. Die Rahmenbedingungen waren eigentlich nicht schlecht: Verhältnismäßig gute Böden, nah an einer Großstadt gelegen und eine solide Betriebsgröße. Leider war jedoch die Hofnachfolge nicht vernünftig geregelt worden.

Der Senior und der Junior sahen sich beide in der Rolle des Chefs. Sie führten permanent Krieg gegeneinander. Für die Mitarbeiter eine schwierige Situation, denn Junior und Senior gaben ständig gegensätzliche Arbeitsanweisungen. Egal, wessen Befehl befolgt wurde, der jeweils andere Chef brüllte die Mitarbeiter an, weil seine Anweisung ja nicht umgesetzt wurde. Unter diesen Umständen ging oft die Sinnhaftigkeit von Arbeitsanweisungen verloren, weil Entscheidungen nicht mehr nach fachlichen Gesichtspunkten getroffen wurden, sondern um den jeweils anderen zu torpedieren.

Eine langfristige Unternehmensstrategie für den Betrieb war nicht mehr erkennbar. Investitionen wurden kurzfristig aus dem Affekt getätigt. Dies spiegelte sich auch in Baumaßnahmen wider. Sie waren immer klein strukturiert. Hier ein paar Quadratmeter anbauen, dort ein Eckchen dazu. Arbeitsabläufe wurden beim Bau überhaupt nicht mehr berücksichtigt. Dies führte dazu, dass die Mitarbeiter jeden Tag viel Arbeitszeit auf unnötigen Laufwegen verloren, die mit einer systematischen Bauplanung gar nicht erst entstanden wären.

Ich hatte auf diesem Betrieb nur einen Zeitvertrag für einen übersichtlichen Zeitraum unterschrieben. Ich war aber, wie wohl die meisten Mitarbeiter, froh, als der Tag kam, an dem ich diesem Betrieb endgültig den Rücken kehren konnte. Dennoch habe ich dort sehr viel gelernt. Der Betrieb bot endlose Beispiele dafür, was man alles besser sein lässt. Und mir hat sich eingebrannt, dass man Konflikte niemals so weit eskalieren lassen darf, wie dort, weil sonst nicht nur zwischenmenschliche Beziehungen, sondern auch der Betrieb massiven Schaden nehmen.

In den darauffolgenden Jahren habe ich viel Zeit mit landwirtschaftlicher Entwicklungsforschung verbracht. Dies führte dazu, dass ich oft mit Menschen zusammengearbeitet habe, die einen anderen fachlichen Hintergrund und eine andere Herkunft hatten, als ich. Meine Kollegen wussten, dass ich geradeheraus und fair bin. Kam es zu Konflikten im Team, war ich häufig derjenige, der um Schlichtung gebeten wurde, obwohl Konfliktberatung ja überhaupt nicht zu den eigentlichen Aufgaben eines Agrarwissenschaftlers im Fachbereich Tierproduktion gehörte.

Die Negativerfahrung auf dem oben erwähnten Betrieb und meine wiederkehrende Rolle als Vermittler bei Streitigkeiten unter Arbeitskollegen haben schließlich dazu geführt, dass ich die Ausbildung zum Mediator gemacht habe. Seit 2017 bin ich nun als Mediator tätig. Es ist für mich eine starke Motivation geworden, Konflikte zu lösen, um die Betroffenen und ihre Betriebe vor Schaden zu bewahren. Ich bin Mitglied im Steinbeis-Mediationsforum e.V.

Veröffentlichungen und Interviews zu Konflikten und zur Mediation:

https://www.handwerk.com/wann-koennen-handwerker-den-vertrag-kuendigen

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